England

Von Bray-Dunes (Frankreich) nach Saint-Malo (Frankreich)


Von Frankreich (Dunkerque) mit der Fähre nach Großbritannien (Dover).
Im Süden Englands von Dover entlang der Küste des Kanals (English Channel)
Southampton umgehen: Von Portsmouth auf der Isle of Wight bis Lymington.
Entlang der Küste bis Weymouth
Mit der Fähre nach Guernsey
Weiter mit der Fähre nach Saint-Malo (Frankreich)

Dauer 11 Tage Fahrt
Entfernung gesamt 550 km
Entfernung Durchschnitt pro Tag 55 km
Höhenmeter gesamt 4096 m
Höhenmeter Durchschnitt pro Tag 455 m
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Reisebericht

67.Tag - Von Bray-Dunes (Frankreich) nach Capel le Ferne - 60 km/248 Hm

Eigentlich sollte uns die Route heute nach Frankreich und dort irgendwie an der Küste entlang weiter nach Westen führen. Entgegen unserer ursprünglichen Planung, wollten wir zunächst in Frankreich bleiben und nicht in Calais nach Dover übersetzen. Aber es kam doch anders.
Zunächst radelten wir wie geplant Richtung Grenze und dann weiter nach Dunkerque (Dünnkirchen). Die Fahrt durch die nicht besonders sehenswerte Stadt war nicht gerade angenehm. Die richtigen Probleme begannen aber in Loon-Plage. Zunächst fuhren wir lange Zeit an mächtigen Ölraffinerien und seltsam rot verfärbten Wiesen vorbei. Wir kamen uns reichlich deplaziert vor. Der definitiv hässlichste Abschnitt der bisherigen Tour. Schließlich hatten wir uns bis an eine Stelle vorgearbeitet, an der es nicht mehr weiter ging. In allen Himmelsrichtungen (außer natürlich wieder zurück), fanden wir keinen Ausweg mehr. Entweder hörte der Weg plötzlich auf oder wir hätten auf autobahnähnlichen Straßen mit entsprechendem Verkehr weiter radeln müssen. Total entnervt erinnerten wir uns an ein Schild, das ein paar Kilometer zuvor auf eine Fährverbindung nach Dover hingewiesen hatte. Es sprach nichts mehr für Frankreich (nicht mal das Wetter) und alles für England. Also ab auf die Fähre.
Die Überfahrt war problemlos, das englische Fährpersonal sehr hilfsbereit und ausgesprochen freundlich. In Dover war eine rote Linie auf die Straße gepinselt, an der entlang die Radfahrer aus den Fähranlagen finden sollten. Eine gute Idee, wie wir fanden. Wir waren Teil eines mächtigen Stroms von Autos und LKWs, der sich vom Hafen aus auf die Insel ergoss. Weil die Briten die Zeitverschiebung nicht mitmachen, hatten wir durch die Fährüberfahrt eine Stunde “gewonnen“. Zeit die wir auch dringend benötigten, denn der Campingplatz Capel le Ferne (kurz vor Folkestone) war nur über einen kräftigen Anstieg zu erreichen. So war es nach Wochen in Dänemark, den Niederlanden und Belgien nun endgültig vorbei mit ebenen Radwegen. Trotz der Anstrengungen des Tages waren wir guter Dinge und hatten endlich mal wieder das Gefühl etwas Neues, Aufregendes zu erleben.

68.Tag - Von Capel le Ferne nach Hastings - 76 km/1039 Hm

Von Capel le Ferne radelten wir westwärts mehr ins Landesinnere hinein. Wir hatten auf dem Computer eine Route ausgearbeitet, die uns über Rye nach Hastings bringen sollte. Sorgfältig vermieden wir es dabei auf A-Straßen und möglichst auch B-Straßen zu fahren. Mit A gekennzeichnete Straßen waren Hauptstraßen mit dichtem Verkehr, der sich in wahnwitzigem Tempo über die oft sehr schmalen Straßen bewegte. Auf mit B gekennzeichneten Straßen ging es gemächlicher zu, der Verkehr war aber auch hier oft lästig. Die übrigen kleinen, mit Hecken gesäumten Sträßchen, waren hingegen nur wenig befahren und eigneten sich daher hervorragend als Radwege. Auf diesen Wegen zeigte sich England auch so wie wir es uns vorgestellt hatten. Knorrige Bäume, saftige Wiesen, kleine Sträßchen mit Hecken und Steinmauern gesäumt, urige Backsteinhäuschen und natürlich jede Menge Schafe. Ach ja… für Radfahrer wären da natürlich noch die zahlreichen, oft steilen Steigungen zu erwähnen. Nicht nur einmal mussten wir uns schiebend durch England bewegen. Fast immer wurden wir dafür aber mit tollen Ausblicken belohnt.

69.Tag - Von Hastings nach Seaford - 53 km/346 Hm

Nachdem wir ab Dover keine offizielle Radroute berücksichtigt hatten, beschlossen wir nun entlang der National Cycle Route 2 zu fahren. Über Bexhill ging es zunächst an der Küste entlang, um diese dann bei Westham wieder zu verlassen. Seaford, unser heutiges Ziel, lag dann wieder an der Küste und bot einen schönen Ausblick auf die Kreidefelsen. Die Radroute war gut ausgeschildert. Was uns die Planer der Cycle Route aber zumuteten, war oft wenig radfreundlich. Andererseits hatten sie wahrscheinlich oft keine andere Wahl. Der Zustand der Straßen hier in England war meist sehr schlecht. Schlaglöcher, ausgefranste Straßenränder und extrem unebener Belag machte uns besonders bergab zu schaffen. Der Verkehr war zudem unglaublich dicht und vor allem schnell. Die Engländer fuhren wie die Schweine. Radfahrer auf den Straßen waren hier äußerst selten. Dementsprechend ungewohnt musste die Situation mit uns bepackten Liegeradlern sein. Auf einer der A-Straßen zu fahren oder sie nur zu überqueren war lebensgefährlich. Zusammen mit der geringen Breite der Straßen und den Hecken, steilen Böschungen oder hohen Randsteinen auf beiden Seiten, ergab sich oft eine fast unpassierbare Strecke. Auf der A259 kurz vor Seaford mussten wir dann auch auf einen schmalen Seitenstreifen mit Wiese ausweichen. Durch die Steigungen wären wir ein zu großes Hindernis gewesen. Die Spuren verrieten uns, dass Andere diesen Weg ebenfalls schon für sicherer gehalten hatten.

70.Tag - Von Seaford nach Littlehampton - 57 km/234 Hm

Eigentlich wollten wir nicht mehr weiter der Küste folgen. Weiter im Landesinneren gefiel es uns besser. Ein englischer Radler, den wir Tags zuvor getroffen hatten, empfahl uns aber die Route am Meer als gut befahrbar. Also ging es auf der NCR 2 entlang der Küste weiter Richtung Westen. Wir nutzen in den Städten oft die breite Strandpromenade, die für Radfahrer eigentlich gesperrt war. Glücklicherweise wurde Radfahren aber trotzdem toleriert und so konnten wir dem dichten Verkehr wenigstens zeitweise entkommen.
Teilziel war heute das Seebad Brighton. Dort probierten wir unsere ersten Fish ’n’ chips und fanden sie nicht so toll. Ein Sportevent blockierte die Promenade und kostete uns viel Zeit, weil wir dadurch durch die Stadt schieben mussten. So bekamen wir aber den vollen Trubel mit all seinen Kuriositäten mit. Eine davon war ein Schlagzeuger, der ein zum Schlagzeug umgebautes Fahrrad nutzte, um darauf mitten auf einer großen Kreuzung zu spielen.
In Littlehampton fanden wir einen Campingplatz, der zu unserer großen Überraschung sehr sauber und gepflegt war. Leider hatten wir in England bis zu diesem Zeitpunkt andere Erfahrungen machen müssen.

71.Tag - Von Littlehampton nach Portsmouth - 76 km/132 Hm

“Der Tag der Irrwege“, hätte die Überschrift lauten können. Die Ausschilderung der NCR2 war bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich ganz gut gewesen. An diesem Tag nervte sie mit Varianten die ohne Vorwarnung in Sackgassen endeten. Eine davon war in Pagham und führte in ein Naturschutzgebiet, das nur zu Fuß zu durchqueren war. Die zweite Sackgasse endete in dem schönen Örtchen Bosham, das uns die Durchfahrt verweigerte, weil die Straße bei Flut im Meer verschwand. Dazwischen lag die Stadt Chichester, die angeblich ganz schön sein soll. Uns hinderte der nervige Verkehr daran es zu überprüfen. Wir hatten langsam die Nase voll von Städten und wollten so schnell wie möglich wieder raus. Nördlich des Chichester Harbour radelten wir weiter bis Havant um dort über den Damm nach Hayling Island zu fahren. An der Spitze der Insel brachte uns schließlich eine kleine Fähre hinüber nach Portsmouth. Im Fährhafen war Springflut und die unglaublich starke Strömung führte dazu, dass ein kleines Fischerboot fast kenterte. Zwei Mann gingen über Bord, aber alles ging noch mal gut.

72.Tag - Von Portsmouth nach Pennington - 51 km/477 Hm

Weil uns der Verkehr auf der NCR2 ziemlich auf die Nerven ging, verließen wir heute die Route und setzten von Portsmouth nach Fishbourne auf die Isle of Wight über. Damit umgingen wir die Gegend um Southampton.
Auf der Isle of Wight war gerade ein Bike Festival, so dass hier jede Menge Radfahrer unterwegs waren um die Insel zu umrunden. Oder wie es ein bärtiger Fährmann mit Sonnenbrille und Cowboyhut ausdrückte: „A lot of bikers, making silly things“. Jedenfalls fuhren uns einige von Ihnen entgegen und es gab öfters mal ein großes Hallo. Es tat gut mal wieder andere Radfahrer zu sehen. Außerdem war die Route über die Insel sehr gut ausgeschildert und die Autofahrer schienen aufgrund der Veranstaltung vorsichtiger zu fahren. Einige Motorradfahrer auf uralten Motorrädern knatterten auch noch an uns vorbei und so ergab sich ein bunter Haufen an Verkehrsteilnehmern. In Cowes vertilgten wir auf einer Parkbank im Hafen unsere Wurstbrote, während auf dem Balkon über unseren Köpfen die Clubmitglieder des Royal Yacht Club of London Smalltalk hielten. Wenn sie nett gefragt hätten, hätten sie auch ein Wurstbrot abbekommen.{{br}Von Yarmouth aus setzten wir nach Lymington über, wo wir im angrenzenden Pennington einen Campingplatz vorfanden. Es war der schlimmste auf der ganzen Tour. Für unverschämte 12Pfund wurden uns üble hygienische Zustände zugemutet. Wir waren ziemlich frustriert, denn der ganze Dreck hier auf den englischen Campingplätzen ging uns langsam gehörig auf die Nerven. Es war uns unverständlich wie die Briten hier sogar mit Familie Urlaub machen konnten. Außerdem nervte uns die ungeheure Zahl an Hunden, die ihre Haufen überall zu hinterlassen schienen.

73.Tag - Von Pennington nach Wimborne - 74 km/585 Hm

Was für ein Kontrast. Der eklige Campingplatz von gestern und der viele Verkehr der letzten Tage und nun die Ruhe und Weite des New Forrest Nationalparks. Wir genossen es in vollen Zügen und radelten auf den kleinen Sträßchen durch Heidelandschaften, wunderschöne Wälder und nette kleine Örtchen. Überall trafen wir auf freilaufende Pferde, Kühe oder Esel, die dem ganzen einen besonderen Charme gaben. Die Pferdekutschen die an uns vorbei fuhren oder auch einfach nur die Forstangestellten mit Ihren Landrovern, alles war im besten Sinne britisch. Überall traf man auf Spaziergänger mit Hunden und auch Radfahrer waren hier häufiger unterwegs.
Bei Fordingbridge verließen wir den Nationalpark schweren Herzens und fuhren auf kleinen Nebenstraßen weiter westlich bis Wimborne. Der dortige Campingplatz rettete die Ehre der Briten und überzeugte mit angenehm sauberen Sanitäranlagen. Die Camper waren sehr nett und gaben sich redlich Mühe ihren für uns schwer verständlichen Dialekt zu verbergen. Überhaupt waren die Briten sehr umgänglich und verziehen uns unsere sprachlichen Entgleisungen mit britischer Höflichkeit.

74.Tag - Von Wimborne nach Weymouth - 65 km/737 Hm

Das Land der Gegensätze hatte uns fasziniert und genervt, bezaubert und abgestoßen. In jedem Fall war es ein Abenteuer, das nun frühzeitig ein Ende finden sollte. Aufgrund des Verkehrs und der hügeligen Landschaft kamen wir sehr schlecht voran. Außerdem gab es sehr viel zu sehen und zu bestaunen. Kurzum reichte die Zeit nicht mehr um unseren Plan bis nach Land’s End zu fahren, zu verwirklichen. Wir beschlossen Weymouth anzusteuern und dort mit der Fähre auf eine der Kanalinseln überzusetzen. Schließlich wartete in Frankreich noch einiges an Strecke auf uns.
Über Dorchester gelangten wir von Wimborne nach Weymouth. Es gelang uns die Strecke fast komplett auf kleinen Nebenstraßen zurückzulegen. Vor Weymouth mussten wir einen Berg erklimmen um von diesem aus in die Stadt hinab zu fahren. Die Straße wand sich durch die hügelige, malerische Landschaft zur Küste hinab. Breit wie eine einspurige Landstraße, war sie gleichzeitig befahren wie eine Hauptverkehrsstraße. In Weymouth kämpften wir uns durch die Stadt und weiter bis an die Küste. Am Campingplatz “Littlesea Holiday Park“ wurden wir an der Einfahrt von einem amerikanisch aussehenden Security-Mann empfangen, der uns über ein Headset an der Rezeption anmeldete. Die Rezeption sah aus wie in einem Hotel und wir kamen uns ziemlich deplaziert vor, nach all den wenig schönen und unkomfortablen Campingplätzen der letzten Tage. Nachdem wir nur 5,50Pfund für die Nacht zahlen mussten, kam es uns noch seltsamer vor. Das Ganze entpuppte sich aber als netter Ferienpark, mit überwiegend fest installierten Wohncontainern. Außerdem gab es ein Restaurant, eine Spielhalle und ein Starbucks Café auf dem Gelände. Die Toiletten waren für britische Verhältnisse sauber. Was wollten wir mehr?

75.Tag - Weymouth

Nachdem wir um 10:00Uhr via Internet festgestellt hatten, dass unsere Fähre nach Guernsey um 8:30 Uhr abgefahren wäre, war klar dass dies an diesem Tag nichts mehr werden würde. Also ein Tag Zwangspause im Littlesea Holiday Park.

76.Tag - Von Weymouth nach St. Peter Port (Guernsey) - 11 km

In der Nacht war wieder mal kaum an Schlaf zu denken. Zum einen verloren unsere Hightech Luftmatratzen seit einiger Zeit regelmäßig die Luft. Wie der Name Luftmatratze schon sagt, ist der Bestandteil Luft wesentlich. Zum anderen befand sich direkt neben unserem Campingplatz ein Gelände der British Armee auf dem tagsüber Schießübungen durchgeführt wurden und das in der vergangenen Nacht in regelmäßigen Abständen von einem Hubschrauber angeflogen wurde. Zug, Autobahn, Betrunkene, schreiende Kinder oder bellende Hunde, alles hatten wir schon gehabt. Hubschrauber waren neu.
Wenigstens mussten wir an diesem Tag nicht weit radeln. Wir waren mit Condorferrie auf einem Katamaran nach Guernsey gedüst. Die Überfahrt kostete uns unglaubliche 90Pfund. Dies änderte sich auch nicht nach zweimaligem Nachfragen. Das Schiff schaukelte unheimlich, obwohl der Kapitän vorher behauptet hatte, dass ruhige See wäre. Ich bemühte mich zum Glück erfolgreich, das Frühstück nicht in Kotztüten abzufüllen. Andere Passagiere sahen aus, als ob sie weniger Glück haben würden.
Auf Guernsey waren wir dann von St. Peter Port in das nördlich gelegene St. Sampson geradelt. Dort hatten wir einen Campingplatz ausfindig gemacht. Die Insel selbst enttäuschte zu diesem Zeitpunkt. Wir mussten wieder mal im dichten Verkehr mitschwimmen obwohl wir uns die Insel ruhiger vorgestellt hatten.

77.Tag - Von St. Peter Port nach Saint-Malo (Frankreich) - 27 km/298 Hm

Da wir bis zur Abfahrt der Fähre nach Saint-Malo (Frankreich) noch einige Stunden Zeit hatten, fuhren wir quer über die Insel an die Südküste nach St. Martin. Aufgrund der Wegbeschreibung einer netten Spaziergängerin mit Hund, fanden wir einen Pfad der an der Küste entlang führte. Von dort bot sich eine grandiose Aussicht mit Postkartenmotiv. Landschaftlich wohl eines der beeindruckensten Erlebnisse unserer Tour. Der Weg zurück zum Hafen war schnell geradelt. An diesem Tag konnten wir Guernsey und St. Peter Port mehr genießen. Die Autofahrer waren hier wesentlich Rücksichtsvoller und hatten auch mehr Verständnis für Radfahrer als in England. Das Problem auf Guernsey waren wieder mal die sehr schmalen Straßen, die hier auch noch meist von Mauern gesäumt waren.
Die Fähre nach Saint-Malo (Frankreich) kostete 50Pfund, so dass wir nun insgesamt 140Pfund! für die Überfahrt von Großbritannien nach Frankreich bezahlt hatten. Und das zu zweit mit Fahrrad! Aber wie Obelix bereits bemerkte: „Die spinnen, die Briten!“. Die Einfahrt nach Saint-Malo war spektakulär. Die Sonne senkte sich bereits zum Horizont hinab, so dass die Altstadt in ein warmes Licht getaucht war. An Land begrüßte uns der Rechtsverkehr und es war komisch wieder auf der eigentlich vertrauten Seite der Straße zu fahren. Unser Campingplatz befand sich bequeme zwei Kilometer vom Fährhafen entfernt auf einer Landzunge. Neben ein paar Franzosen und Briten teilten wir uns die Wiese mit unzähligen Kaninchen.

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