Leute

Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute in den Vereinigten Staaten und in Kanada ist beeindruckend. Es stimmt schon, dass vieles davon sehr oberflächlich ist. Stefan, ein deutscher der vor 8 Jahren nach Kanada ausgewandert war, erzählte uns davon wie schwer es ist, mit den Kanadiern richtig warm zu werden.
Wir sind nun aber keine Auswanderer und so half uns die Hilfsbereitschaft oft weiter. Egal ob die unverhoffte Einladung zur Übernachtung in Kanada, oder der Mann in den USA, der mehrere Shops anruft um uns eine Telefonkarte zu organisieren. Auch wenn wir unterwegs irgendwo anhalten um unsere weitere Strecke zu planen, werden wir oft angesprochen ob alles OK ist und ob wir Hilfe brauchen.
Vor den Supermärkten erfahren wir oft hilfreiches und interessantes. Egal ob die gut gemeinte Warnung auf gar keinen Fall nach Mexico zu fahren, weil wir sonst entführt werden würden, oder einfach auch nur der Tip welcher Fisch in der Gegend der beste ist oder welches Bier wir kaufen sollen. Tips zur Route, zum Verhalten im Straßenverkehr, wo ist es am schönsten und wer hat das beste Frühstück. Wir haben das Gefühl, dass jeder dazu beitragen will, dass es uns ein bisschen besser geht.
Auch an den zahlreichen Aussichtspunkten entlang der Küste ergeben sich immer wieder Gespräche mit anderen Reisenden. Egal ob per Fahrrad, Motorrad, Auto oder RV (Wohnmobil). Jeder hat etwas interessantes zu erzählen.
Auf einem Campground in Bay City treffen wir eine ältere Dame die vor ihrem RV im Schatten sitzt und einen Spazierstock schnitzt. Sie lädt uns auf ein Bier ein und erzählt uns Ihre Geschichte. Nach einem turbulenten Leben in der Luftfahrt tourt sie nun seit 15 Jahren, ab dem ersten Tag ihrer Rente, durch die USA. Hinten dran hängt ihr Wrangler Jeep. „It's my fun car", erzählt sie uns stolz.
In Ilwaco rät uns ein Mann vor dem Supermarkt, dass wir nicht über die Astoria Bridge radeln sollen. Viel zu gefährlich sei das. Stattdessen sollen wir den Bus nehmen. „Da gibt es einen Bus?“ „Na klar, kein Problem. Die Räder kommen vorne am Bus auf einen Ständer und das Ganze kostet nur einen Dollar pro Person.“ Die gesamte Strecke über den Columbia River war tatsächlich gefährlich. Ohne Seitenstreifen, sehr steil am Schluss und über 5km lang. Ein wirklich guter Tip.
In Aberdeen machen wir Fotos von der etwas runtergekommen wirkenden Stadt. Einige Obdachlose, die zwischen den Häusern sitzen, strecken uns den Mittelfinger entgegen. Als wir weitergehen kommt uns einer der Typen entgegen und fragt uns nach Geld. Wir wollen ihm keine Scheine zeigen und leeren ihm stattdessen unsere wenigen Münzen in die Hand. Er fragt uns woher wir kommen und wohin wir wollen. Wir wollen auf dem US101 über die Brücke, die 200 Meter von uns über den Chehalis River führt. Die Brücke scheint nicht für Radfahrer geeignet zu sein. Der Mann erklärt uns, dass es einen extra Zugang zu einem separaten Randstreifen für Fussgänger und Radfahrer gibt. Weil dieser Zugang schlecht zu sehen ist, läuft er extra mit uns bis zu der Stelle um sie uns zu zeigen. Wir sind total baff. Durch unser schlechtes Gefühl was die gesamte Situation betraf, hatten wir eine solche Hilfebereitschaft nicht erwartet.
An einem sehr langen und steilen Anstieg auf dem Highway 1, kurz bevor wir die Passhöhe erreichen, überholt uns ein Motorradfahrer auf einer Harley. Er ist total aus dem Häuschen, gestikuliert wild, Daumen hoch und ruft uns zu: „Good job! Well done!“
Überhaupt sind die Reaktionen auf unsere Art zu reisen sehr positiv. Die Leute lieben es, wenn sich zwei verrückte, mit offensichtlich total überladenen Fahrrädern, die Berge hinauf quälen. Wir haben das Gefühl, dass es die US-Amerikaner besonders schätzen, wenn wir uns das Land auf das sie so stolz sind, auf diese Art und Weise erarbeiten.

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