Australien

Australien ist riesig und der Teil den wir bereist haben, war nur ein schmaler Küstenstreifen im Südosten. Hier lebt jedoch der Großteil der australischen Bevölkerung und hier befinden sich mit Melbourne, Sydney und Brisbane, die drei größten Städte Australiens. Grob gesehen, ist der Rest des Landes Outback und eigentlich das was wir uns als Europäer unter Australien vorstellen. Großen Anteil daran hat sicherlich Uluru (Ayers Rock). Der rote Felsen ist der Inbegriff Australiens. Wir hatten uns jedoch gegen einen Besuch entschieden. Letztlich war uns der Aufwand zu groß. Ein bisschen hatten wir aber damit gehadert, dass wir nicht doch etwas vom Outback erleben durften.
Generell schwankten wir ständig zwischen Begeisterung und Frustration. Keines der Länder die wir bisher bereist hatten, hatte so polarisiert. Das hatte verschiedene Gründe. Einer war tatsächlich die Größe des Landes. Um zum Beispiel von Sydney aus zum Uluru zu gelangen, fliegt man entweder drei Stunden oder fährt knapp 3000km mit dem Auto, oder eben mit dem Fahrrad. Die riesigen Entfernungen sind das Problem. Einheimische hatten oft wenig Verständnis für unsere Situation. Fahrt doch nach Cairns oder gleich nach Darwin, da ist es schön warm und wunderschön. Ja klar, sind dann halt mal eben 2500 bzw. 5000km. Auf der anderen Seite ist es gerade die Weite dieses Landes die es so faszinierend macht. Das war eines der Dinge, die uns erst nach der Rückkehr nach Europa richtig bewusst werden sollte.
Ein Grund nach Neuseeland und Australien zu kommen war, dass wir den europäischen Winter umgehen wollten. Bei einer Reisedauer von einem Jahr konnten wir aber nicht überall zur idealen Reisezeit unterwegs sein. So war es in Australien bereits Herbst, als wir dort starteten. Im Süden, in der Gegend um Melbourne, waren die Temperaturen tagsüber zwar ziemlich warm, morgens und abends wurde es aber recht kalt. Das hatte uns dann ja auch dazu bewogen, mit dem Zug weiter nach Sydney zu fahren. Die Temperaturen waren an der Ostküste wesentlich angenehmer als im Süden. Dort konnten wir uns dann auch wirklich nicht beklagen. Schließlich waren wir tagsüber fast immer in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs.
Wie schon zuvor in den USA und in Neuseeland, waren die Menschen in Australien sehr nett und freundlich zu uns. Auffällig war die Gelassenheit der Menschen. “No worries!“ war ein Ausdruck, den wir dauernd bei allen Gelegenheiten hörten.
Wir hatten interessante Begegnungen, aber oft war es uns ein bisschen zu viel der Aufmerksamkeit. Eine Sache nervte besonders. Wir wurden sehr häufig nur im Vorbeigehen angesprochen und dabei mit einer Liste von Fragen regelrecht verhört. Wo kommen wir her. Wo wollen wir hin. Woher stammen wir. Und immer ganz wichtig: Wie gefällt es uns in Australien. Nach dem Beantworten einer Handvoll Fragen, zogen die meisten dann befriedigt weiter. Manchmal stand die nächste Person schon bereit um uns die gleichen Fragen erneut zu stellen. Teilweise waren die Situationen regelrecht absurd. Wir waren zum Beispiel damit beschäftigt unsere Fahrräder und unser Gepäck von einem kleinen Boot zu wuchten. Starker Wind sorgte dabei für entsprechend heftigen Seegang. Kurz gesagt: Wir hatten alle Hände voll zu tun, alles heil an Land zu bringen. Das hielt eine Passantin nicht davon ab, uns währenddessen mit genau den genannten Fragen zu löchern.
Natürlich hatten wir auch sehr angenehme Begegnungen und hatten uns sehr gut unterhalten. Es war jedoch einfach auffällig, mit welch unverblümter Neugier uns die meisten Menschen in Australien begegneten.
Tiere stellen keine Fragen. Sie waren die eigentlichen Stars unserer Australienreise. Unmengen von Sittichen, Kakadus und anderen exotischen Vögeln schwirrten ständig um uns herum. Einmal hingen unzählige Fledermäuse in den Bäumen. Es begegneten uns Koalas, Wombats und Wallabies. Und manchmal hüpften Kängurus für kurze Zeit neben uns her, wenn wir eine Straße entlang fuhren. Die Inseln Kangaroo Island und Maria Island (Tasmanien) waren ein Highlight auf unserer Reise. Dort konnten wir besonders viele Tiere beobachten. Weniger schön, waren die vielen überfahrenen Tiere auf den Straßen.
Ein Unterschied zu Europa, der uns erst später bewusst werden sollte, war das große Angebot an Campingplätzen. Der Komfort der Holiday Parks, den wir zuvor in Neuseeland genossen hatten, war in Australien seltener zu finden. Dafür fanden wir in nahezu jedem größeren Ort entlang der Küste einen Platz.
Eine Sache hatte uns besonders gut gefallen. Fast in jedem Ort gab es einen Platz mit Spielgeräten, Picknicktischen, Barbecue und Toiletten. In größeren Orten oft mehrere davon. Ideal um eine Pause einzulegen. Auffällig war, in welch gepflegtem Zustand sich diese Anlagen befanden. In manchen Parks standen sogar fest installierte Fitnessgeräte zur Verfügung, was auf uns wiederum recht kurios wirkte.
Von Brisbane flogen wir nach Rom. Der Abschied von Australien markierte einen Wendepunkt auf unserer Tour. Mit der Ankunft in Europa begann unsere Heimreise. Wir waren noch lange nicht zu Hause und viel Schönes lag noch vor uns. Trotzdem sehnten wir uns ein bisschen zurück, nach der Gelassenheit und dem entspannten Lebensstil der Australier, und der grenzenlosen Weite dieses riesigen Landes.

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