Tour 2016

Ein Jahr mit dem Fahrrad unterwegs


USA
KANADA


Entlang der Westküste, von Vancouver bis San Diego.


Route in den USA

Neuseeland
 


Auf der Nord- und Südinsel.


Route in Neuseeland

Australien
Tasmanien


Von Adelaide nach Melbourne, Tasmanien, und von Sydney nach Brisbane.


Route in Australien

Italien
Sardinien, Korsika


Unsere Heimreise durch Italien, über Sardinien und Korsika.


Route in Europa

Unterwegs in Australien

In Australien waren wir von Adelaide nach Melbourne geradelt. Wie waren in Tasmanien unterwegs, und fuhren danach von Sydney nach Brisbane.

Davor waren wir fast drei Monate in den USA, und anschließend mehr als vier Monate auf beiden Inseln Neuseelands unterwegs.
Von Australien kehrten wir nach Europa zurück.

In der nebenstehenden Abbildung kannst Du die Route unserer Reise durch Australien sehen. Durch Anklicken gelangst Du zur Kartenansicht.

21.03.2017 - Kangaroo Island

Nach unserer Ankunft in Adelaide am Vormittag, waren wir fix und fertig. Morgens um 3:00Uhr hatte uns unser Taxi am Hostel in Auckland abgeholt. Der Flug war mit dreieinhalb Stunden zwar recht kurz, das Zerlegen und Verpacken der Fahrräder war aber wie immer anstrengend. Zu allem Überfluss zeigten sich die Beamten in Adelaide bei der Einreise besonders penibel und inspizierten genauestens unsere Fahrräder und unser Zelt. Eigentlich dachten wir, die Prozedur in Australien wäre weniger streng als in Neuseeland. Zum Glück hatten wir vor Abflug nach Australien trotzdem alles gründlich sauber gemacht. So konnten wir die zunächst etwas genervten Beamten beeindrucken, wodurch sie letztlich sogar sehr freundlich waren.
Wir dachten Australien sei weitgehend flach. Das war unser zweiter Irrtum. Gleich die ersten beiden Etappen von Adelaide nach Cape Jervis belehrten uns darüber, indem sie einen Anstieg nach dem anderen präsentierten.
In Cape Jervis machten wir Bekanntschaft mit dem Emu des hiesigen Campingplatzes, der sich sehr für unsere Spaghetti interessierte. Auch begegneten wir hier zum ersten Mal, den für diese Jahreszeit typischen Schwärmen von Kakadus, die Bäume, Dächer und auch den Boden bevölkerten. Ihr pausenloses, ohrenbetäubendes Gekreische hörte zum Glück bei Einbruch der Dunkelheit auf.
Von Cape Jervis fährt eine Fähre nach Penneshaw auf Kangaroo Island. Sie ist für die hohen Fahrpreise berüchtigt, obwohl die Überfahrt nur kurze 45 Minuten dauert. Für uns beide zusammen mit den Fahrrädern, waren hin und zurück 240AUD fällig. Wer mit dem Wohnmobil auf die Insel will, zahlt mehr als 500AUD.
Letztlich hatte sich die Investition aber gelohnt, denn Kangaroo Island zeigte sich bei sonnigen 30°C von seiner besten Seite. Unsere Route führte uns über Kingscote ans andere Ende, in den Flinders Chase Nationalpark, zum Admirals Arch und den Remarkable Rocks. Die Remarkable Rocks sind skulpturartige Granitfelsen an der Küste des Nationalparks, die auf einem kuppelförmigen Steinfundament ruhen. Was wie ein faszinierendes, riesiges Kunstobjekt aussieht, hat einen natürlichen Ursprung und ist in 500 Millionen Jahren durch Wasser und Wind entstanden.
Die eigentliche Attraktion von Kangaroo Island waren aber die Tiere. Wer Kängurus und Koalas sehen will, ist auf der Insel garantiert richtig. Im Schutzgebiet von Hanson Bay konnten wir etliche der putzigen Koalas beobachten. Sie sind nachtaktiv und hängen tagsüber faul in den Bäumen. Wenn Sie sich dann doch mal bewegen müssen, dann recht langsam. Irgendwie wirkte das inspirierend auf uns.
Am Western Kangaroo Island Caravan Park leben ebenfalls einige Koalas. Auch Wallabies kann man hier beobachten. Nachts waren die Rupf- und Kaugeräusche der kleinen Kängurus zu hören, während sie auf der Wiese um unser Zelt hoppelten.
Leider sahen wir auch sehr viele überfahrene Tiere auf den Straßen. Neben kleineren Säugern oft auch Kängurus, deren Verwesungsgestank ziemlich unangenehm war.
Auf Kangaroo Island waren wir nach kurzer Zeit bekannt wie die berühmten bunten Hunde. Im Flinders Chase Nationalpark wurden wir von vielen Leuten angesprochen. Alle hatten uns bereits irgendwo auf dem Highway gesehen. Als wir später zurück in Kingscote auf der anderen Seite der Insel waren, trafen wir viele dieser Bekanntschaften wieder.
In der Nacht vor der Überfahrt mit der Fähre zurück aufs Festland, zog ein Unwetter über den Süden Australiens und sorgte mancherorts für Überschwemmungen. Wir hatten Glück und bekamen nur ein bisschen Regen und ein paar heftige Blitze und Donnerschläge ab. Dafür war der Seegang bei der Fährüberfahrt am nächsten Morgen beängstigend. Dank Pillen hielt sich die Übelkeit in Grenzen und wir kamen letztlich unbeschadet auf dem Festland an.

05.04.2017 - Entlang der Long Bay

Von Kangaroo Island aus folgten wir in den darauffolgenden Tagen dem Princes Highway, der uns über Victor Harbour und entlang der Long Bay nach Robe führte. Über die Strecke gibt es nicht viel zu berichten. Anfangs radelten wir durch Weinanbaugebiete. Später zeigte sich mal links ein See, mal rechts einer, und ansonsten karges, flaches Land.
Und dann war da noch die Sache mit den Fahrradschlössern. Am Roadhouse in Salt Creek, einer Tankstelle mit Restaurant und Shop, hatten wir gecampt. Die Situation: Beide Fahrräder sind mit zwei stabilen Bügelschlössern zusammengekettet und der Schlüssel ist weg. Saublöd und eigentlich unmöglich, musste der Schlüssel doch logischerweise irgendwo sein. Nach einstündiger Suche gaben wir auf. Auch an der Tankstelle und im Restaurant war kein Schlüssel gefunden worden. Der Besitzer rückte mit der Säge an, aber das ging natürlich nicht. Auf der Suche nach einem Winkelschleifer stellte sich schließlich heraus, dass der zu diesem Zeitpunkt noch schlafende Sohn (10:00Uhr morgens), den Schlüssel am Abend zuvor gefunden und zu sich genommen hatte. Nochmal Schwein gehabt.
In Robe, einem netten Städtchen an der Küste, zeigten sich uns zum ersten mal die rauen Felsen der Limestone Coast. Für uns war jedoch der wunderschöne Ice Cream Shop interessanter.
In diesen Tagen hatten wir endlich einmal richtigen Rückenwind. Obwohl die Strecke auf dem Princes Highway A1 nicht viel sehenswertes für uns bereithielt, hatten wir so viel Spaß am Radfahren wie schon lange nicht mehr. In dem flachen Gelände konnten wir richtig Strecke machen. Tagesetappen von 100 oder mehr Kilometern waren plötzlich kein Kraftakt mehr.
Ein kleines Highlight bot sich überraschend in Tantanoola. Die Besitzerin eines kleinen Shops empfahl uns den Besuch der Tantanoola Cave, einer wunderschönen kleinen Tropfsteinhöhle.
Hinter Warrnambool erreichten wir in Allansford schließlich die Great Ocean Road.

09.04.2017 - Great Ocean Road

Die Great Ocean Road zweigt bei Allansford vom Princes Highway ab. Sie führt meist entlang der Küste und endet in Torquay. Ab 1919 von heimgekehrten Soldaten gebaut, ist die Straße heute ein Besuchermagnet. Sieben Millionen Touristen fahren jedes Jahr auf dieser Straße entlang. Davon sind wohl wenige mit dem Fahrrad unterwegs.
Die Strecke war vergleichsweise flach. Allerdings mussten wir zwischen Glenaire und Apollo Bay auch einige ordentliche Anstiege bewältigen. Wir machten zusätzlich einen Abstecher zum Cape Otway, Das bedeutete Abfahrt hinunter an die Küste und auf dem gleichen Weg wieder zurück hinauf. Hinter Apollo Bay waren einige Straßenabschnitte eng und wanden sich an der felsigen Küste entlang. In der Nebensaison war aber nur moderater Verkehr.
Die Sehenswürdigkeiten entlang der Great Ocean Road sind weltberühmt und waren allesamt von der Straße aus gut zu erreichen. Das machte es uns natürlich angenehm, mussten wir doch einfach nur an den Parkplätzen der Aussichtspunkte rechts rausfahren.
Asiaten und ihr ausgeprägter Hang zur Selbstdarstellung waren auch hier überall präsent. Da wurde für das Erinnerungsfoto posiert und auf einem Bein balanciert. Da wurden die “Models“ zurechtgerückt und Anweisungen gerufen. Da reckten sich Arme in den Himmel und flatterten bunte Tücher im Wind. Da schaute man verwundert auf die Fotografen, die mit Kamera und Stativ ausgerüstet, “nur“ ein Foto dieser wunderschönen Küstenlandschaft machten, ganz ohne Gezappel und Geschrei. Es gibt sie also doch noch, die Oldschool Touristen.
Die 12 Apostel wollten wir unbedingt bei Sonnenuntergang sehen. Deshalb blieben wir bis zum Einbruch der Dunkelheit am Aussichtspunkt und fuhren anschließend bei Nacht weiter nach Princetown. Einheimische erzählten uns immer wieder von Zusammenstößen mit Kängurus. Speziell bei Nacht steigt die Gefahr eines Unfalls rapide an. Was passiert wohl wenn ein ausgewachsenes Känguru einen Radfahrer anspringt? Das kommt angeblich gar nicht so selten vor. Wir kamen trotzdem unbehelligt an.
Am Anfang waren wir etwas skeptisch was die Great Ocean Road betrifft. In den USA hatten wir entlang des Pazifiks schon unzählige Kilometer zurückgelegt. Was sollte da also noch anderes kommen? Am Ende waren wir nicht nur von den vielen Stränden begeistert, sondern auch von der abwechslungsreichen Landschaft, die ihren ganz eigenen Charakter hatte.
In Torquay erreichten wir das Ende (oder den Anfang, je nach Betrachtungswiese) der Great Ocean Road. Nicht weit danach dann Geelong. Von dort aus wollten wir den Zug nehmen, um die Vororte und den dichten Verkehr rund um Melbourne zu umgehen.

13.04.2017 - Melbourne

Melbourne erreichten wir per Bus von Geelong aus. Eigentlich wäre es der Vorortzug gewesen, der uns durch die Vororte in die Hauptstadt des Bundesstaats Victoria gebracht hätte. Leider fiel dieser wegen Gleisarbeiten für eine Woche aus. Ein netter Mitarbeiter des Zugbetreibers verhalf uns zu einem Platz im Bus des Schienenersatzverkehrs. Fünf Minuten bis zur Abfahrt und die Fahrräder bitteschön ins Gepäckabteil des Buses legen. Damit es schnell geht, mitsamt den Taschen. So wog jedes Rad über 40 Kilo. Wie das funktionierte, überlassen wir Eurer Phantasie.
Melbourne ist nach Sydney die zweitgrößte Stadt in Australien. Sie ist die südlichste Millionenstadt der Welt. Mehr als 4 Millionen Menschen leben im Großraum Melbourne. Trotzdem ist die Bevölkerungsdichte etwa um die Hälfte geringer als in Berlin. Kein Wunder, dass Melbourne als eine der lebenswertesten Städte der Welt gilt.
Wir hatten nicht so richtig Lust auf Sightseeing und die ultimative Sehenswürdigkeit kann man in Melbourne sowieso nicht finden. So war es dann auch nicht eine einzelne Attraktion die uns an Melbourne gut gefallen hatte, sondern der ganz spezielle Flair, der der Stadt anhaftete. Es ist schwer zu beschreiben. Überall im Land hatten wir das Gefühl, dass der Australier sich als Teil des Landes fühlt. Mit einem gewissen Stolz, aber hauptsächlich einfach glücklich darüber, in diesem Land leben zu dürfen. Genauso kamen uns die Menschen in Melbourne vor, als Teil ihrer Stadt.
Melbourne trug zum Zeitpunkt unseres Besuches sein alljährliches Comedy Festival aus. Auf allen Plätzen und an allen Ecken der Stadt traten verschiedene Künstler auf. Am Yarra River fanden wir dann trotzdem die gesuchte Ruhe für einen gemütlichen Spaziergang und viele schöne Ansichten der Stadt.
Melbourne verließen wir schließlich per Fähre Richtung Tasmanien. Wir hatten einen Recliner für die Nachtfähre gebucht. Das war eine Art Flugzeugsessel, in dem wir die Nacht verbrachten. Nicht sehr komfortabel, aber günstig.

30.04.2017 - Tasmanien

Mit der Fähre Spirit Of Tasmania kamen wir in der Morgendämmerung in Devonport an.
Tasmanien kann man grob in zwei Hälften einteilen. In der westlichen Hälfte befinden sich hohe Berge und es regnet wesentlich mehr und öfter als in der östlichen Hälfte. Die großen Städte befinden sich im Osten und natürlich leben dort auch die meisten Menschen. Die Landschaft im abgelegenen Westen gilt jedoch als besonders wild und sehenswert. Trotzdem hatten wir als Route die Ostküste gewählt. Zum einen, weil es mittlerweile April war und uns der tasmansische Herbst bereits mit seinen kalten Fingern fest im Griff hatte. Zum anderen, weil wir nach Neuseeland keine Lust mehr auf einsame Gegenden hatten. Die netten Örtchen an den Surf- und Badestränden der Ostküste kamen uns da gerade recht.
Eine deutsche Reiseradlerin hatte uns mal erzählt, dass sie von Tasmanien enttäuscht war, weil es dort aussehen würde wie im Schwarzwald. Wir hatten das damals nur belächelt und mussten nun, zumindest im Norden Tasmaniens, wieder daran denken. Sie hatte nicht ganz unrecht. Kuckucksuhren oder Mädchen und Frauen mit Bollenhüten, hatten wir allerdings keine gesehen.
So waren die ersten Tage, von Devonport bis St Helens, reine Fahrtage ohne Highlights. Wir begannen uns zu fragen, ob es wirklich eine gute Idee war hier Rad zu fahren. Zumal die Hügel beachtlich waren, sowohl in der Höhe als auch vor allem in der Anzahl.
Als wir St Helens erreichten, bot uns die Ostküste nun auch das was wir von Tasmanien erwartet hatten. Wunderschöne Strände und Buchten, und eine Menge “Wildlife“.
In Coles Bay verbrachten wir einen Tag mit wandern. Wir wollten unbedingt den Ausblick auf die berühmte Wineglas Bay genießen. Den besten Blick hat man vom Mount Atmos aus. Vor dem Weg auf den Gipfel warnten zahlreiche Schilder. So schlimm wird es schon nicht sein, dachten wir. Eine Stunde später hingen wir in der "Wand" und kamen uns vor wie richtige Bergsteiger. Über uns fegten dunkle Wolken hinweg und der Wind frischte auf. Weite Strecken mussten wir auf allen Vieren emporklettern. Die Wanderer die uns entgegenkamen, rutschten auf dem Hosenboden die steilen Felsen hinab. Jetzt bloß keinen Regen auf die ohnehin rutschigen Felsen. Letztlich ging alles gut und wir kamen heil wieder unten an.
Aufgrund einer Empfehlung von Ines und Justus, setzten wir mit der Fähre von Triabunna aus nach Maria Island über. Wir hatten die beiden am Campingplatz in Swansea getroffen. Sie waren mit einem Work And Travel Visum in Australien unterwegs und hatten bereits als Köche und in Weinbergen gearbeitet. Ihre interessanten Geschichten relativierten ein wenig den romantischen Eindruck, den viele der Weingüter im Vorbeifahren vermittelten.
Maria Island erkundeten wir zu Fuß. In Darlington, der einzigen kleinen Siedlung auf der Insel, gab es nichts weiter außer einem einfachen Hostel, einer Rangerstation, einer Touristinformation und unbewohnten historischen Gebäuden. Nicht mal einen Schokoriegel konnte man hier kaufen. Aber es gab einen Fahrradverleih. Der Besitzer erzählte uns, dass er im Sommer 50 Räder am Tag verleiht. Wir lehnten trotzdem dankend ab.
Die Aussichten die wir von der Insel aus hatten waren großartig. Wir mussten nur aufpassen, dass wir auf den Rundwegen nicht ständig in eine der Hinterlassenschaften der hiesigen Fauna traten. Es war wirklich schwierig unsere Füße auf einer freien Stelle abzusetzen. Am Nachmittag ließ sich erahnen warum das so war. Als die Sonne sich dem Horizont näherte, wurden die Wiesen von zahlreichen Wombats, Gänsen, Wallabies und Kängurus bevölkert. Besonders die Wombats hatten es uns angetan. Die putzigen Tiere hatten wir bisher noch nicht beobachten können.
Aber nicht nur Tiere zählten zu den Highlights von Maria Island. Unsere Wanderungen führten entlang der malerischen Küste zu den Sehenswürdigkeiten Fossil Cliffs und Painted Cliffs, bevor wir am Abend mit der Fähre Richtung Sonnenuntergang nach Triabunna zurückkehrten.
Eine besondere Begegnung hatten wir auf einem Campingplatz kurz vor Hobart. Wir teilten uns die Campingküche mit mehr als zwanzig jungen Männern der pakistanischen U18 Hockeynationalmannschaft. Sie waren an diesem Tag in Hobart ins Finale der Weltmeisterschaft eingezogen. Später erfuhren wir, dass sie auch das Endspiel gewonnen hatten. Herzlichen Glückwunsch!
Nun, gegen Ende April, wurde das Wetter für uns immer mehr zum Problem. Regen war zwar selten, sobald aber die Sonne weg war wurde es abends sehr kalt. Sonnenuntergang war zu dieser Jahreszeit schon kurz nach fünf am Nachmittag und am Morgen kehrte die Wärme erst am späten Vormittag zurück.
Aufgrund der Kälte beschlossen wir unseren Aufenthalt in Tasmanien abzukürzen und kehrten mit dem Fernbus von Hobart aus nach Devonport zurück. Dort brachte uns die Fähre zurück nach Melbourne, auf das hoffentlich wärmere australische Festland.

08.05.2017 - Melbourne nach Sydney, anders als geplant

Nachdem wir von Devonport in Tasmanien mit der Fähre nach Melbourne übergesetzt hatten, ging es zunächst weiter wie geplant Richtung Sydney.
Auf dem Weg raus aus Melbourne, radelten wir vom Fähranleger aus immer dicht an der Küste entlang bis Frankston. Wir teilten uns die Straße mit Massen von Rennradfahrern. Am Straßenrand fanden sich neben zahlreichen Cafes auch Shops mit Radfahrbedarf. An einem der Shops kamen wir mit zweien der Radfahrern ins Gespräch. Sie erzählten uns, dass die Küstenstraße zwischen dem Hafen von Melbourne und Brighton, als die am dichtesten befahrene Radstrecke in Australien gilt. Besonders am Wochenende wird der sogenannten Bay Trail von unzähligen Freizeitsportlern genutzt.
Wir orientierten uns weiter an der Küste und überquerten Phillip Island. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits ab, was später zum Abbruch unserer Fahrt nach Sydney führen sollte. Der Herbst war nun definitiv angekommen, was sich insbesondere durch nasskalte, neblige Morgen und kalte Abende bemerkbar machte. Zudem wurden die Tage immer kürzer.
Im Wilsons Promontory, erreichten wir schließlich den am südlichsten gelegenen Nationalpark des australischen Festlands. Dort befindet sich auch der südlichste Punkt (South Point), den wir aber nicht besuchten. Der bereits 1898 eingerichtete Wilsons Promontory Nationalpark (The Prom) ist heute vor allem ein riesiges und äußerst beliebtes Wandergebiet.
So taten auch wir, was die meisten Besucher tun. Wir parkten unsere Räder für zwei Nächte auf dem sagenhaft teuren Campingplatz des Parks (57AUD / 40EUR pro Nacht für einen Zeltplatz in der Nebensaison!) und zogen zu Fuss los, um die grandiose Landschaft des Nationalparks zu erkunden.
Bekannt ist The Prom auch für seine Tierwelt. Wir trafen hier auf die zutraulichen, fast schon lästig frechen Pennantsittiche. Grasende Emus, Kängurus und Wallabies konnten wir hier beobachten. Und unsere Lieblinge, die putzigen Wombats. Nach Sonnenuntergang zogen sie, unbeirrt und unbeeindruckt von den Menschen, ihre Bahnen auf dem Campingplatz. Wie behaarte Mähroboter liefen sie dabei langsam vorwärts und wenn sie irgendwo dagegen stießen, wie zum Beispiel gegen unser Zelt, dann setzten sie ihren Gang in einer anderen Richtung fort. Natürlich nicht ohne vorher zu untersuchen, ob denn das was sie da aufgehalten hatte nicht ebenfalls fressbar wäre.
Im Wilsons Promontory Naitonalpark war es dann soweit. Wir entschlossen uns dazu, unsere Fahrt nach Sydney abzubrechen. Abends saßen wir draußen in einem Unterstand. Der Wind pfiff durch die Öffnungen. Wir hatten drei Jacken übereinander an und hatten mit dicken Socken, langen Unterhosen und Mütze aufgerüstet. Die Stirnlampe beleuchtete unsere 2-Minuten-Suppe, die uns ein wenig Wärme spendete. Nee, nee, so hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Eine Woche später versuchten wir in dem kleinen Städtchen Sale einen Mietwagen zu bekommen. Der gebuchte Wagen war nicht erhältlich und der alternativ angebotene Wagen bot nicht genügend Platz für unsere Fahrräder und all unser Gepäck. Also mussten wir kurzfristig umdisponieren. Schließlich fuhren wir mit dem Zug zurück nach Melbourne und von dort weiter mit dem Nachtzug nach Sydney. In Sydney wollten wir ein paar Tage verbringen, um dann mit dem Fahrrad weiter bis Brisbane zu fahren. Die Ostküste nördlich von Sydney, lockte mit sonnig warmen Temperaturen.

18.05.2017 - Sydney

Wir kamen früh morgens mit dem Zug an der Central Station an. Obwohl es etwas regnerisch war, fiel uns sofort auf, wieviel wärmer es hier im Vergleich zu Melbourne war. Sollte unser Plan aufgegangen sein und wir würden tatsächlich bei milderen Temperaturen nach Brisbane fahren können? Die folgenden Tage die wir in Sydney verbrachten, stimmten uns zuversichtlich.
An Sydney mussten wir uns anfangs erst gewöhnen. Die Stadt war unheimlich hektisch, trubelig und laut. Enge Straßen zogen sich durch tiefe Häuserschluchten. Überall waren Autos. Erst mit der Zeit bekamen wir einen Blick für die Schönheiten der Stadt. Allen voran natürlich das Sydney Opera House. Es ist eines dieser weltweit wenigen Gebäude, dass eine ganz besondere Wirkung auf den Betrachter hat. Besonders am Abend strahlte die Oper in majestätischer Eleganz und wir konnten gar nicht genug von ihrem Anblick bekommen.
Sehr schön war auch der botanische Garten, der sich direkt neben der Oper befand. Der Garten an sich ist nichts aussergewöhnliches. Während wir aber durch die parkartige Anlage mit ihren herrlichen Bäumen spazierten, boten sich immer wieder tolle Ausblicke auf die Skyline von Sydney.
Eine Attraktion in Sydney ist auch das knapp 200m lange, im viktorianischen Stil erbaute, Queen Victoria Building. Schon immer als Handelszentrum und Markthalle genutzt, ist es heute ein nobles Einkaufszentrum.
Mit dem Sydney Tower gibt es natürlich auch in Sydney einen Aussichtsturm. Von der Aussichtsplattform in 251m Höhe, hat man einen schönen Rundumblick über die ganze Stadt. Am späten Abend war es ein tolles Erlebnis.
Radfahren war in Sydney schwierig und einfach zu gleich. Schwierig war es überall dort wo es keine Radwege gab. Die Straßen waren zum Teil eng und der Verkehr war dicht. Allerdings fühlten wir uns nie abgedrängt und die Autofahrer erschienen uns einigermaßen rücksichtsvoll.
Einfach wurde es auf Straßen mit separatem Radweg. So fuhren wir zum Beispiel von der Central Station bis zum Circular Quay nahezu vollständig getrennt vom Verkehr.
Ein Kuriosum bot die Harbour Bridge. Wir überquerten die Brücke von Sydney aus, auf einem eigens für Radfahrer freigegebenen Weg. Dieser endete jedoch am nördlichen Ende abrupt an einer steilen Treppe. Für Radfahrer mit leichten Rennrädern kein Problem. Wir mussten allerdings umdrehen.
Nach vier Tagen Aufenthalt viel uns der Abschied schwer. Wir nahmen die Fähre nach Manly und genossen noch ein letztes Mal den Blick zurück auf Sydney, die Harbour Bridge und das Opera House.

01.06.2017 - Von Sydney nach Coffs Harbour

Weil die Tage kurz waren, versuchten wir am Morgen früh aufzustehen. Früh hieß für uns 6:30Uhr. Anfangs stellten wir noch den Wecker, merkten aber bald, dass das nicht nötig war. Schon bei Sonnenaufgang fing der Kookaburra an, mit seinem lauten, affenartigen Rufen, jeglichen Schlaf unmöglich zu machen. Zum Glück wurde es erst um sechs Uhr hell. Kookaburras sind ähnlich unseren Eisvögeln, nur etwas größer und mit braungrauem Gefieder.
Von Sydney aus nahmen wir erst mal die Fähre nach Manly Beach. Dann eine weitere Fähre von Palm Beach nach Ettalong Beach und später nochmal eine von Woy Woy nach Saratoga. Das brachte uns erst mal raus aus dem Großraum Sydney.
Im Ort The Entrance machten wir einen Tag Pause, weil die Wettervorhersagen ziemlich miserabel ausfielen. Zumindest behauptete das unsere Wetter-App. Aber auch von Einheimischen hörten wir ähnliches. Die nächsten Tage sollten richtig schlecht werden. Tatsächlich verbrachten wir den folgenden Tag bei angenehmen Temperaturen und leichter Bewölkung mit Sonnenschein, was uns erstmal richtig ärgerte. Denn viel zu oft ließen wir uns von solchen Vorhersagen beeinflussen und “vergeudeten“ deshalb immer wieder Fahrtage.
Ein Gutes hatte es. Wir nahmen am Pelikan Feeding teil, für das der Ort The Entrance bekannt ist. Ein tägliches Spektakel, bei dem die Pelikane als Touristenattraktion mit Fischen gefüttert werden. Die freiwilligen Helfer haben so aber auch die Möglichkeit sich den Tieren zu nähern und sich ein Bild von ihrem Gesundheitszustand zu machen.
In Nelson Bay saßen wir einen Tag fest. Die Fähre nach Tea Gardens fuhr nicht. Die Fähre war da, nur niemand der sie fahren konnte. Am nächsten Tag klappte es dann. Der Tag Pause gab uns Gelegenheit auf den Mount Tomaree zu wandern und die herrliche Aussicht zu genießen.
Auf dem Weg nach Seal Rocks querten wir den Myall Lakes National Park. Wieder war es eine Fähre die uns am Weiterkommen hinderte. Diesmal aufgrund von Wartungsarbeiten. Zum Glück gab es auch eine Straße die die Fährüberfahrt umging, wenn auch nur eine Dirt Road. Sie zu finden war das Problem. Zweimal endeten wir, auf der vermeintlich richtigen Straße, nach einem Kilometer im dichten Busch, Dann endlich fanden wir die richtige Zufahrt.
Wir erreichten Port Macquarie, oder einfach nur Port, wie die Australier es nennen. Im Ort trafen wir auf zahlreiche Aussichtspunkte, mit tollem Blick über die Strände und die felsige Küste.
Die über 100 Kilometer seit Forster waren Teil eines schwierigen Abschnitts, der noch weiter nördlich bis Kempsey so bleiben sollte. Unser Ziel war es, möglichst nahe der Küste entlang nach Norden zu fahren. Leider gab es nur wenige Straßen, die in diese Richtung führten. Entweder der Pacific Highway A1, oder Dirt Roads nahe der Küste, die selbst unter Autofahrern einen schlechten Ruf hatten.
Als wir morgens in Nambucca Heads vom Campingplatz starteten, fuhren wir im Ort auf der steilen Küstenstraße durch ein Stück Wald. Nach einiger Zeit fiel uns auf, dass das laute Kreischen von Vögeln das uns umgab, anders klang als sonst. Wir hielten an und erst jetzt nahmen wir auch den beißenden Geruch war. Und dann sahen wir sie, hoch über uns in den Bäumen. Hunderte von Flying Foxes. Australische, schwarze Flughunde. Sie sind die größten Fledertiere Australiens und haben eine Flügelspannweite von etwa einem Meter. Fasziniert von den fliegenden Säugern, versuchten wir auf die große Entfernung ein paar Fotos zu schießen. Zuvor hatten wir sie in Sydney schon abends in der Dämmerung über den Himmel ziehen sehen.
Die Durchfahrt durch Coffs Harbour war schwierig. Viel Industrie und viel Verkehr und ansonsten nicht viel Sehenswertes. Was soll man von einem Ort auch erwarten, der als größte Attraktion einen Freizeitpark mit einer riesigen Banane über dem Eingang bietet (Big Banana Fun Park). Bananen waren hier in der Gegend überall ein Thema. Immerhin sahen wir zum ersten Mal in unserem Leben Bananenplantagen.

14.06.2017 - Coffs Harbour nach Brisbane

Auch auf der Strecke von Coffs Harbour bis Byron Bay, mussten wir immer wieder auf dem Pacific Highway fahren. An einem Tag machten wir deshalb einen Umweg über Grafton ins Landesinnere, der zwar ruhiger, dafür aber auch hügeliger war. Keine wirklich gute Option. Glücklicherweise wurden die für uns geeigneten Nebenstraßen immer häufiger, je näher wir Brisbane kamen.
Wenn wir Einheimische nach einem lohnenswerten Stop auf der Route von Sydney nach Brisbane fragten, dann wurde uns immer Byron Bay genannt. Das Städtchen befindet sich am östlichsten Punkt Australiens und ist gleichermaßen beliebt bei Touristen, Backpackern, Surfern, Künstlern und Aussteigern. Als wir in den Ort rollten, stand ein Jimi Hendrix Verschnitt auf einer mit Blumen bepflanzten Verkehrsinsel und rockte sich auf seiner elektrischen Gitarre die Seele aus dem Leib. Wir erzählen das, weil diese Szene den Geist der Stadt ganz gut wiedergibt. Außerdem war Byron Bay aber einfach nur ein schöner Ort, mit einem sehenswerten Leuchtturm, einem schönen Strand und angenehmem, touristischen Trubel.
Je weiter wir uns Brisbane näherten, umso besser wurde für uns die Infrastruktur. Ab Hastings Point fuhren wir fast nur noch auf Radwegen, die streckenweise wunderschön zu fahren waren.
Ein unerwartetes Highlight war Gold Coast. Unerwartet, weil der Stadt ein negatives Billigtourismusimage anhaftet und wir deshalb etwas anderes erwartet hatten. Eine schöner Fuß- und Radweg führte uns an den Stränden entlang durch die ganze Stadt. Ein bisschen erinnerte uns das an die Strände in Los Angeles. Nur dass uns Gold Coast besser gefiel als LA. Spontan entschlossen wir uns eine Nacht zu bleiben und besuchten am Abend den Q1-Tower. Er war bis 2011 das höchste Apartmenthaus der Welt und ist bis heute das höchste Gebäude Australiens. Von der Aussichtsplattform Skypoint aus, in 230m Höhe, hatten wir einen spektakulären Blick über die Stadt und das Meer.
Eine Besonderheit in der Gegend um Gold Coast waren Resorts für Menschen im Ruhestand. Riesige Wohnparks in abgesicherten Arealen, die klangvolle Namen wie “Hope Island“ trugen. Auf einem Campingplatz trafen wir eine Gruppe älterer Ehepaare im Ruhestand, mit denen wir unter anderem über Flusskreuzfahrten in Deutschland sprachen. Kreuzfahrten im Allgemeinen sind in Australien sehr beliebt. Eines der Ehepaare hatte gerade seine achtundzwanzigste (28!) Kreuzfahrt hinter sich.
Die letzten Kilometer nach Brisbane führten über den Radweg V1 bis ins Stadtzentrum. Die Streckenführung war etwas kompliziert und verworren. Zusammen mit Schildern, Navigationsgerät, Google Maps und etwas Intuition, erreichten wir schließlich unser Apartment am Botanischen Garten.
Die letzten Tage in Australien verbrachten wir mit etwas Sightseeing in Brisbane und damit die Reise zurück nach Europa vorzubereiten. Es war gar nicht so einfach einen Flug zu finden, der nicht über 30 Stunden dauerte, bei dem man nicht dreimal umsteigen musste, und der dann auch noch einigermaßen bezahlbar war. Fündig wurden wir schließlich bei Ethihad. Wie alle Fluggesellschaften verlangte auch Ethihad eine Transportverpackung für Fahrräder. Theoretisch waren am Flughafen, bei den australischen Fluggesellschaften, Fahrradkartons erhältlich. In der Praxis wollte uns am Flughafen aber niemand einen Karton verkaufen, denn diese sind ausschließlich für Kunden reserviert. Eigentlich hatten wir ja genau aus diesem Grund bei Virgin Australia gebucht. Ethihad war aber die ausführende Fluggesellschaft, also kein Karton von Virgin. Ethihad selbst hatte keine, Emirates wollte nicht und bei Quantas benutzte man gerne den Konjunktiv und ließ uns im Unklaren. Um die Diskussionen, die wir bis dahin bereits geführt hatten nicht noch weiter auszudehnen, klapperten wir die Fahrradläden in Brisbane ab. Bei Giant bekamen wir schließlich zwei stabile Kartons. Die schafften wir mit dem Bus in unser Apartment und dort verpackten wir die Räder.
Brisbane bietet keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Auch keine Aussichtsplattform, die wir in anderen Städten gerne genutzt hatten. Durch Brisbane schlängelt sich jedoch der gleichnamige Fluß, auf welchem Fähren als Nahverkehrsmittel eingesetzt werden. Eine davon ist kostenlos und fährt mehrere Haltestellen am Ufer des Brisbane River an.
Vom Boot und von der Promenade entlang des Flusses aus, hatten wir einen schönen Blick auf die Skyline. Die Promenade lud zu längeren Spaziergängen ein, die auch durch den botanischen Garten führten.
Am Abreisetag buchten wir uns ein Maxitaxi zum Flughafen. Wir und die verpackten Räder, wurden stressfrei zum Flughafen transportiert. Dann beim Check-in noch einmal gebangt, ob unser Gepäck auch nicht zu viel Gewicht auf die Waage bringt. Zum Glück war alles im grünen Bereich. Übergepäck hätte uns nochmal einiges extra gekostet.
Spät abends hoben wir mit dem Flugzeug Richtung Abu Dhabi ab. Das Ziel war Rom. Europa sollte uns bald wieder zurück haben.

Australien

Australien ist riesig und der Teil den wir bereist haben, war nur ein schmaler Küstenstreifen im Südosten. Hier lebt jedoch der Großteil der australischen Bevölkerung und hier befinden sich mit Melbourne, Sydney und Brisbane, die drei größten Städte Australiens...

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