Tour 2016

Ein Jahr mit dem Fahrrad unterwegs


USA
KANADA


Entlang der Westküste, von Vancouver bis San Diego.


Route in den USA

Neuseeland
 


Auf der Nord- und Südinsel.


Route in Neuseeland

Australien
Tasmanien


Von Adelaide nach Melbourne, Tasmanien, und von Sydney nach Brisbane.


Route in Australien

Italien
Sardinien, Korsika


Unsere Heimreise durch Italien, über Sardinien und Korsika.


Route in Europa

Unterwegs in den USA

Entlang der Westküste der USA, radelten wir von Vancouver in Kanada bis nach San Diego, nahe der mexikanischen Grenze.
In der nebenstehenden Abbildung kannst Du die Route unserer Reise durch die USA sehen. Durch Anklicken gelangst Du zur Kartenansicht.

Danach waren wir mehr als vier Monate in Neuseeland.
Anschließend in Australien, von wo aus wir nach Europa zurückgekehrt waren.

10.08.2016 - Wir sind in Frankfurt

Es blieb hektisch bis zum Schluss. Zu vieles war liegen geblieben und musste noch gepackt oder erledigt werden. Die letzten Nächte in unserer Wohnung verbrachten wir bereits mit Isomatte und Schlafsack.
Viele Monate intensiver Planung und Vorbereitung liegen hinter uns. Es ist Sonntagmorgen, 31.07.2016, Tourstart. Endlich soll es losgehen, und, natürlich, es regnet!
Erst gegen 14:30Uhr klart es auf. Wir ziehen ein letztes Mal die Wohnungstür hinter uns zu und steigen auf unsere voll bepackten Räder. Es wird wohl noch einige Zeit dauern bis wir realisieren werden, dass das nun für die nächsten 365Tage unser Leben sein wird.
Heute am 09.August sind wir in Frankfurt angekommen. Die letzten Tage waren anstrengend obwohl wir nur kurze Etappen geplant hatten. Wir müssen uns erst noch an die schwer bepackten Räder gewöhnen. Wir fuhren den Drei-Täler-Radweg bis Offenbach und weiter bis Kehl. Die starken Steigungen zwischen Glatt und Alpirsbach forderten uns gleich zu Beginn. Von Kehl fuhren wir am Rhein bis Mainz und dort weiter über den Mainradweg nach Frankfurt.
Schon jetzt in den ersten 10 Tagen trafen wir viele interessante Menschen. Den Künstler Axel Naß (Paul Plastik) aus Düsseldorf, Peach aus Zug in der Schweiz, der viele Monate in Schweden unterwegs war. Dank seinem Vorbild sitzen wir nun für den Rest der Tour auf sehr komfortablen Stühlen und verdanken seinem schwedischen Abschiedsgeschenk mückenfreie Abende (Danke Peach!). Außerdem lernten wir Helmut und Verena aus Villingen-Schwenningen kennen, die uns nützliche Tips für unsere Reise geben konnten. Die beide sind weit gereiste und erfahrene Reiseradler, wie man auf ihrer Website helmutverenaontour sehen kann. Und schließlich trafen wir hier in Frankfurt Jenny aus Melbourne, eine begeisterte Deutschlandradlerin, die wir im März/April in Australien besuchen dürfen, und dann wohl auch Ihren Fahrradclub kennenlernen werden.
Wir sind schon sehr, sehr gespannt auf Vancouver und die nächsten Tage in Kanada...

16.08.2016 - Vancouver

Wow, es geht los! Zum ersten Mal mit den Fahrrädern ausserhalb Europas unterwegs. 10 Stunden Flug von Frankfurt nach Vancouver lagen vor uns. Obwohl wir 4 Stunden vorher am Flughafen waren, mussten wir im Laufschritt zum Boarding. Wir hatten das Verpacken der Räder und der Radtaschen komplett unterschätzt. Durchgeschwitzt und außer Atem saßen wir endlich im Flieger und konnten den Flug mit Condor genießen. Gutes Essen, toller Ausblick auf Grönland, gutes Unterhaltungs­programm… Bis jetzt alles easy!
Aber dann! In Vancouver angekommen warteten wir 2 Stunden auf unsere Räder und unser Gepäck. Schock! Ein Packsack fehlte. Ausgerechnet der mit dem Zelt, den Iosmatten und dem Werkzeug für die Montage der Räder. Das bedeutete: Großes Taxi finden, Fahrradkartons ins Taxi wuchten, zur Unterkunft fahren, und zwei Tage mit der Rückbeschaffung des Gepäcks beschäftigen. Eine emotionale Achterbahn, da wir nicht wussten, ob wir die fehlende Ausrüstung überhaupt wieder zurückbekommen würden. Wenn nicht, wäre das eventuell das vorzeitige Aus für unsere Reise gewesen. Anders wie man sich das vielleicht vorstellt, hätte sich eine Wiederbeschaffung der Sachen hier in Kanada schwierig gestaltet. Spezielle Outdoorläden sind selbst in Vancouver schwer zu finden, mal von Kosten und Zeitaufwand abgesehen.
Dann, nach einem nächtlichen Telefonat mit dem Flughafen in Frankfurt (Zeitverschiebung 9 Std.), die erlösende Nachricht: Der Packsack ist in Vancouver!
Also zurück, mit den Fahrradboxen per Taxi zum Flughafen. Mit den endlich zusammengebauten Räder ging es per Skytrain vom Flughafen zur Waterfront Station in Downtown Vancouver und von dort weiter mit dem Rad zu unserem Appartement ganz in der Nähe. Endlich wieder mit dem Rad zu fahren war ein tolles Gefühl. Besonders an dem atemberaubenden Radweg entlang der Promenade vom Canada Place Richtung Stanley Park.
Wir trafen dort auf Patrick aus Montreal, ein Reiseradler, der sich in Calgary das Bein brach und den ganzen Weg durch die Rocky Mountains mit einer speziellen Schiene per Rad bewältigt hatte. Ein verrückter Typ, der uns aber viele Tipps mit auf den Weg geben konnte.
Endlich Sightseeing! Robson Street, Gastown und Canada Place. Vancouver ist wunderschön und sehr entspannt. Die Menschen hier wirken alle sehr gelassen und haben immer ein freundliches Wort übrig. Eine Radtour durch den Stanley Park scheint ein muss zu sein. Hunderte Asiaten auf Leihrädern können sich nicht irren. Also haben wir auch eine Runde gedreht. Was soll man sagen, sie haben recht. Der Park und die 8km lange Strecke entlang der Küste sind ein Erlebnis. Überhaupt lässt es sich in Vancouver ganz gut radeln.
In zwei Tagen geht es weiter über die Lions Gate Bridge Richtung Norden. Der Highway 101 erwartet uns. Jetzt, da wir diese Zeilen schreiben, wissen wir auch schon, dass die nächste Zeit sehr anstrengend werden wird. Steep hills, wie man hier sagt…

24.08.2016 - Goodbye Canada

Kanada, das war für uns entspanntes Sightseeing in den Städten Vancouver und Victoria. Aber auch bangen um unser Gepäck (siehe 16.08.2016 - Vancouver). Landschaftlich reizvoll waren die Sunshine Coast oder auch Saltspring Island. Wir verbrachten lauschige Abende auf sehr schön gelegenen Campingplätzen, wie dem Qualicum Beach First Nation Campground.
Kanada bedeutete aber auch starke Steigungen auf schmalen Straßen, die uns gleich zu Beginn unserer Tour einiges an Kraft und Kondition abverlangten. Anfangs fast mehr als wir aufbringen konnten. Dazu kamen die sehr hohen Temperaturen von teilweise über 40°C, wenn wir in der prallen Sonne fahren mussten. Der Schweiß lief in Strömen, und nicht immer waren abends auf dem Campingplatz Duschen vorhanden.
Als Radfahrer fühlten wir uns auf der Straße recht gut aufgehoben. Die Kanadier fahren überwiegend rücksichtsvoll. Gewöhnungsbedürftig war der Lärm, den schon einfache Pickups verbreiteten. Oft wähnten wir einen großen Truck hinter uns, bevor uns ein eher unscheinbares Fahrzeug überholte.
Kanada bescherte uns auch viele Begegnungen mit Einheimischen, mit Auswanderern oder mit anderen Reiseradlern. Die Menschen waren sehr hilfsbereit. Wir wurden häufig und immer freundlich angesprochen. Am Fähranleger von Powell River nach Comox trafen wir Kirstin aus München, die in Anchorage / Alaska losgeradelt war und nun auf dem Weg nach Argentinien ist und uns ein Stück begleitete. Ihr verdanken wir zwei schöne gemeinsame Abende mit Rotwein aus Pappbechern, vielen Tipps und netten Gesprächen.
In Victoria verbrachten wir unseren letzten Abend mit Sightseeing. Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre nach Port Angeles und sind nun in den USA. Auch wenn er das nicht lesen wird, möchten wir uns trotzdem bei dem geduldigen Beamten der Einwanderungsbehörde bedanken. Zwei Landeier reisen durch die Welt...

Warmshowers

Es ist später Nachmittag. Müde, hungrig und verschwitzt stehe ich (Martin) im Eingangsbereich eines Supermarkts in Gibsons...

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03.09.2016 - Washington

Zunächst möchten wir mal die Landschaft beschreiben, durch die wir hier in Washington den lieben langen Tag geradelt waren. Hauptsächlich waren da Wälder. Die Zwischenräume waren entweder wiederum mit Bäumen aufgefüllt worden, oder man hatte eine Straße gebaut. Auf den Straßen bewegten wir uns, was uns ungehinderten Ausblick auf den Wald bescherte. Das tolle war, egal ob der Blick nach links, rechts, vorne oder hinten ging, immer war dieser schöne Wald zu sehen. Außer nach oben oder unten, aber da schaut man beim Radfahren ja nicht so gerne hin.
Mal im ernst. Es war schon viel Wald um uns herum aber es gab auch immer wieder schöne Küstenabschnitte, wie z.B. bei Long Beach.
Die Sache mit dem Wald hat auch einen anderen Nachteil, der in den State Parks deutlich wird. State Parks sind staatliche Gebiete, die oft auch Campingplätze mit ordentlichen Toiletten und Duschen beinhalten. Man spürt, dass hier Personal vorhanden ist das sich kümmert. Die Ranger sind immer nett und hilfsbereit. Die Campingplätze liegen aber meist im Wald. Besonders die günstigen Hiker Biker Sites sind oft im Unterholz versteckt, was uns ziemlich deprimierte. Wir fühlten uns in dieser Zeit wie Eremiten.
Inzwischen wissen wir aber, da wir diese Zeilen bereits in Kalifornien schreiben, dass das besondere an Washington die Menschen sind die hier leben. Auffällig war die Armut, wenn man das so nennen kann. Die Orte waren kaum als solche zu erkennen. Oft nur eine Ansammlung von Hütten neben einer staubigen Straße, und häufig die typischen Autowracks davor. Der “Look“ der Menschen passte dazu, sie waren aber umso herzlicher.
Viele der Reisenden die war trafen berichteten uns begeistert von Oregon. So war unsere Taktik klar: Ab nach Oregon. Zuerst mussten wir aber noch die Astoria Bridge über den Columbia River und eine zweite Brücke über die Youngs Bay überqueren. Zur Astoria Bridge führt ein mehrere Kilometer langer Damm. Die Brücke selbst ist steil, schmal, ohne Seitenstreifen und mit viel Verkehr. Einheimische hatten uns davon abgeraten, sie mit dem Fahrrad zu überqueren. Letztlich nahmen wir den Bus von Ilwaco aus und wurden von einem sehr freundlichen und hilfsbereiten Busfahrer direkt an der zweiten Brücke über die Youngs Bay abgesetzt, obwohl da eigentlich gar keine Bushaltestelle war.
Mit der Überquerung des Columbia RIver hatten wir auch die Staatsgrenze zu Oregon hinter uns gelassen.

Leute

Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute in den Vereinigten Staaten und in Kanada ist beeindruckend...

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15.09.2016 - Oregon

Oregon war ganz schön, ganz schön anstrengend und oft auch ganz schön kalt. Abends kramten wir alles raus was wir zum Anziehen hatten. Unterhemd, dicke Socken, Strumpfhosen und zwei Jacken übereinander.
Ab dem netten Ort Cannon Beach trafen wir wieder auf den Pazifik und auch auf Tom und Janie, zwei Radler aus Oregon, die wir fast eine Woche lang auf Ihrer Urlaubsreise bis nach Florence begleiteten. Dank Tom wurden die Abende mit einem Lagerfeuer etwas wärmer. In Canon Beach hatten wir auch unseren ersten Kontakt mit der Pelikan Brewery. Gar nicht schlecht was die Amerikaner da so zusammenbrauen.
Oregon bescherte uns auch den ersten Platten. Kurz nach einer Tunneldurchfahrt bohrte sich eine Tackernadel in Danielas Hinterrad. Auf dem schmalen Seitenstreifen des US101 mussten wir den Schaden beheben. Aber immerhin mit Meerblick. Eigentlich war es ein Wunder, dass wir bis dahin noch keine Probleme hatten. Der Seitenstreifen des Highway war oft übersät mit Reifenteilen, Metallteilen und Glassplittern.
Die Küste in Oregon ist schlichtweg atemberaubend. Die Anstiege sind es leider auch. An einem der unzähligen Aussichtspunkte entlang dem Highway US101 trafen wir zwei junge Franzosen, die zum ersten mal in Ihrem Leben eine längere Radtour machten. Wow, und dann gleich so eine Strecke. Einer mit Zelt, der andere nur mit Hängematte ausgerüstet. Sie waren der Meinung, dass die Route entlang der Küste flach sei. Das Meer sei es ja schließlich auch. Nahezu alle die wir trafen, einschließlich uns, hatten sich die Strecke nicht so anstrengend zu fahren vorgestellt.
An einigen der Aussichtspunkten konnten wir Wale und Seelöwen beobachten. In Newport tummelten sich die Seelöwen im Hafen und versuchten einen der begehrten Sonnenplätze auf den dort verankerten, schwimmenden Holzplattformen zu ergattern. Dies führte zu einem publikumswirksamen, endlosen Gerangel, dass von einem ohrenbetäubenden Auh, Auh, Auh! begleitet wurde. Noch die ganze Nacht hörten wir Ihre Stimmen auf dem einige Kilometer entfernten Campingplatz.
Auf dem Weg nach Florence wand sich der Highway US101 eine steile Passstraße hinauf, mit spektakulären Aussichten auf die felsige, raue Küste Oregons. Nach Florence begann das Gebiet der Oregon Dunes. Eine riesige Dünenlandschaft, die sich am Besten  per Quad oder auf Wanderwegen entdecken lässt. Für uns als Reiseradler blieben die meisten der Dünen hinter Wald verborgen.
Vor Port Orford trafen wir auf einige der über 2000 Radfahrer des „Cycle Oregon“, mit welchen wir nach  Gold Beach weiterfuhren (siehe auch The Story Behind - Cycle Oregon).
Bis Crescent City, und damit nach Kalifornien, war es dann nicht mehr weit.

Cycle Oregon

Von unserem Platz aus können wir ein kleines Stück des Highway US101 einsehen. Plötzlich sehen wir einige Rennradfahrer vorbeifahren...

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26.09.2016 - Kalifornien bis San Francisco

Mit Kalifornien verbinden wir Begriffe und Namen wie Silicon Valley, Wein, Schwarzenegger und vor allem Sonne und damit Wärme. Irgendwie hatten wir zwar Sonne aber das mit der Wärme wollte im Norden Kaliforniens noch nicht so richtig klappen. Obwohl, 20°C im Oktober sind ja nicht so schlecht. Abends war es halt ein bisschen frisch.
Nach Eureka begann das Gebiet der Redwoods. Die Avenue Of The Giants war definitiv ein Highlight auf unserer Reise. Mit dem Fahrrad auf der schmalen Straße durch Wälder dieser majestätischen Bäume zu fahren, war ein ganz besonderes Erlebnis.
Bei Leggett verließen wir den Highway US101 um auf die California State Route 1 (Highway 1) zu wechseln. Der Highway schlängelt sich entlang der Küste. Er ist schmal, oft in schlechtem Zustand und meist ohne Seitenstreifen. Die Autofahrer waren auf der engen Straße generell sehr rücksichtsvoll und hielten in der Regel einen angemessenen Abstand ein. Wir hatten auch auf dieser schwierigen Strecke keine Probleme. Allerdings sollte man möglichst ausweichen wenn sich ein Truck von hinten nähert.
Je weiter wir nach Süden kamen, umso mehr öffnete sich die Landschaft. Die Redwoods wichen den Kiefern und dem durch die Trockenheit gelben Gras auf den Hügeln. Die letzten zwei Tage auf der Strecke vor San Francisco waren sehr anstrengend. Tagsüber sehr heiß und die Straße ging ständig hoch und runter. Es ist kaum übertrieben wenn wir behaupten, dass es praktisch keine Ebene Stelle gab. Entweder steil bergauf oder steil bergab. Auffällig war, dass wir auf dieser Strecke sehr viele Reiseradler trafen. Viele erreichten ihr Ziel mit der Überquerung der Golden Gate Bridge.
Ca. 270 km vor San Francisco sprachen wir mit einem jungen Paar, das mit Rennrädern unterwegs war. Sie erzählten uns, dass sie am nächsten Tag in San Francisco ankommen wollen. Später rauschten Sie an uns vorbei. Sie, ohne Gepäck, voraus. Er, mit Gepäck, sichtlich angestrengter und in einigem Abstand hinterher. Wir hatten letztlich für die gleiche Strecke fünf Tage gebraucht.
Andere Radler waren im gleichen Tempo unterwegs wie wir. Immer wieder traf man sich unter Tags zufällig auf der Strecke und abends auf dem Campingplatz. Für uns bildete sich so immer wieder eine kleine Reisegruppe. Man führte gute Gespräche, teilte sich die Kosten für den Campingplatz und ergänzte sich mit Lebensmitteln. Jeder hatte Erfahrungen und gute Tips. Die gemeinsame Art zu Reisen verbindet.

01.10.2016 - San Francisco

San Francisco erreichten wir gegen Abend. Die Radroute führt unter der Golden Gate Bridge hindurch, so dass man sich auf Meereshöhe befindet. Das heißt erstmal steil bergauf zum Highway und dann noch höher, wenn man wie wir, zu den hoch gelegenen Aussichtspunkten will. Die Golden Gate querten wir in der Abenddämmerung zusammen mit vielen einheimischen Radfahrern, die auf ihren Rennrädern ihre abendlichen Touren fuhren. Mit dem Sonnenuntergang erreichten wir schließlich die Stadt.

Ein Hotel im Norden San Franciscos war unser Ausgangspunkt für zahlreiche Besorgungen, einen Frisörbesuch, Wäsche waschen, Fahrradreparatur und Sightseeing. Wir ließen die Fahrräder stehen, kauften uns einen Drei-Tage-Pass für die öffentlichen Verkehrsmittel und waren mit Bus, Cable Car und Straßenbahn kreuz und quer in der Stadt unterwegs.
Die Stadt zu beschreiben fällt uns schwer. Sehr trubelig, viele Menschen, viele Touristen, viel Verkehr, viele Eindrücke, laut, anstrengend, faszinierend und mit unglaublich steilen Straßen. Irgendwie fühlten wir uns aber nicht so richtig wohl. Es gab unheimlich viele Touristen, besonders aus Asien, die Selfies in den merkwürdigsten Posen machten. Sind wir gar keine Touristen, weil wir keine solche Fotos machen? Vielleicht lag es daran.
Trotz allem war San Francisco sehenswert und hatte einen ganz eigenen Charme. Die Architektur der Häuser in den steilen Straßen, die Cabel Cars, die Golden Gate und natürlich die Gefängnisinsel Alcatraz. Jeder kennt diese Namen. Hier mittendrin zu sein hatte schon was.
Am Tag der Abreise schafften wir es vom östlichen Teil der Stadt nicht einmal ganz bis zur Westküste. Am Morgen noch schnell Fisherman's Wharf, mit den Rädern die Lombard Street runter gefahren und den Palace Of Fine Arts besucht. Touristress halt, und schon war es Nachmittag, so dass wir uns nochmal ein Motel für eine Nacht nahmen.
Am nächsten Tag dann ging es endlich weiter, der Küste entlang Richtung Süden. Mehre Tage sollte es dauern bis wir uns von dieser "Pause" erholt hatten und wieder in unseren Radelrhythmus zurück fanden.

17.10.2016 - San Francisco bis Los Angeles

Pelikane, Kolibris, Delphine und Seelöwen. Sonne, Kakteen, Palmen und Strand. Wir waren im Süden Kaliforniens angekommen. Nach Santa Barbara öffnete sich die Landschaft und machte Platz für riesige Anbauflächen. Obst, Gemüse, Kürbisse und Erdbeeren. Stände entlang der Straße boten die frisch geernteten Beeren zum Verkauf an. Erdbeeren mitten im Oktober! Ich (Martin) liebe Erdbeeren!
Mit erreichen von Monterey begann sich die Gegend erneut zu wandeln. Alles wurde touristischer. Der berühmte “17 Mile Drive“ entlang der Küste führte uns nach Carmel by the Sea. Wir als bepackte Reiseradler waren ziemliche Exoten zwischen all den Harley- und Cabriolet-Touristen.
Die Gegend weiter südlich bei Big Sur ist weltbekannt, Touristen kommen von überall hierher. Dementsprechend hoch sind die Preise auf den wenigen Campingplätzen und in den spärlichen Einkaufsmöglichkeiten entlang des Highways. Verschärft wurde die Situation durch die extreme Trockenheit und den seit Monaten andauernden Waldbränden. Wir waren zwar nicht direkt betroffen, einige der State Parks waren aber geschlossen und wurden von der Feuerwehr als Unterkünfte benutzt. Auf dem Big Sur Campground and Cabins hatten wir Glück. Die freundliche Dame an der Rezeption quetschte uns für 20 Dollar in eine Lücke auf dem eigentlich ausgebuchten Platz.
Der Highway 1, entlang des Pazifik bis San Simeon, ist spektakulär. Die schmale Straße windet sich über die Felsen an der Küste und historische Brücken überspannen die Buchten. Beliebte Fotomotive für Touristen, die von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt pendeln.
Nach Pismo Beach führte der Highway 1 weiter ins Landesinnere. Wieder vorbei an riesigen landwirtschaftlichen Anbauflächen, bevor wir über die kargen Hügel bei Santa Maria radelten.
Auf dem Refugio State Beach Campground stellten wir zum ersten mal unser Zelt unter Palmen auf, nur einen Steinwurf vom Pazifik entfernt. Inklusive Sonnenuntergang, Delphinen, Pelikanen und jede Menge winziger Blüten, die von einem seltsamen aber wunderschönen Baum auf uns herab rieselten. Es war schwierig unsere Radtaschen und die Suppe blütenfrei zu halten. Unsere Theorie ist, dass sich dieser Baum mit Hilfe von Reiseradlern fortpflanzt.
Tags darauf musste Martin in Santa Barbara zum Zahnarzt. Ein Stück vom Backenzahn war abgebrochen. Wir hatten Glück am gleichen Tag einen Termin zu bekommen. Dank einem einheimischen Radler, der sich die Zeit nahm uns durch die Stadt zu führen, blieb noch Zeit für einen kurzen Besuch der berühmten Mission Santa Barbara, bevor der Zahn geflickt wurde.
Die restliche Strecke auf dem Highway 1 war geprägt durch Strände, Surfer und den vielen teuren Autos auf den Straßen. In Malibu, hatten wir uns in den Malibu Country Mart verirrt, einem Einkaufsviertel mit Edelboutiquen. Landeier wie wir sind, wollten wir hier etwas zu Essen einkaufen. Ein weißes Mercedes Coupe hält neben uns am Straßenrand. Ein sonnengebräunter Typ, der aussieht wie ein Robert Geiss Double, steigt aus. Er rückt seine rosa verspiegelte Sonnenbrille zurecht, grinst uns mit perlweiß gebleichten Zähnen an und sagt, während er auf uns deutet: „I love your rig“ - So sind sie halt die Amerikaner. Leicht zu begeistern.
Wir fuhren weiter der Küste entlang, immer in Strandnähe und zum Teil auf separaten Radwegen, bis wir schließlich in Santa Monica auf das Stadtgebiet um Los Angeles trafen. Der Plan war, LA schnell hinter uns zu lassen um weiter nach San Diego zu fahren. Unsere ursprüngliche Idee zum Grand Canyon zu fahren hatten wir aufgegeben, wir wollten lieber weiter in den warmen Süden.

On the road

Wir sind in Kalifornien unterwegs, ca. 350km vor Los Angeles...

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20.10.2016 - Los Angeles bis San Diego

Der Großraum Los Angeles lässt sich zunächst, von Santa Monica bis Redondo Beach, am Pazifik entlang umfahren und führt am berühmten Strand Venice Beach vorbei, Magnet für Künstler, schräge Typen und Touristen. Der Rad- und Fußweg führt oft mitten durch die Strände und ist von Scharen von Fussgängern, Radfahrern und Fitnessbegeisterten bevölkert. Wir hatten Mitte Oktober. Kaum vorstellbar was hier in der Hauptsaison los ist.
Am Morgen hatte es geregnet. An einem der Restrooms entlang des Strands spricht uns Chris, einer der vielen Läufer, an. Chris stammt aus Papua Neuguinea und ist total begeistert von unserem Jahr Auszeit. Er arbeitete als Sozialarbeiter, war total ausgebrannt und hatte seinen Job gekündigt. Seine Verwandten und Bekannten haben ihn für verrückt erklärt. In einer Woche wird er zum dritten Mal an einem 100 Meilen-Lauf teilnehmen. 22 Stunden will er diesmal dazu brauchen. Aber zuvor will er unbedingt allen von uns und unserem Jahr erzählen. Er will wohl damit beweisen, dass er nicht der einzige Verrückte auf dieser Welt ist.
Nach Redondo Beach führte die Route von der Küste Weg nach Long Beach. Wir kämpften uns im dichten Verkehr über eine vierspurige Stadtautobahn, die durch riesige Industrielandschaften führte. Förderpumpen saugten hier das Öl aus der Erde um es in den Raffinerien weiterzuverarbeiten. Immer wieder passierten wir Großkraftwerke entlang der Strecke. Unser Blick auf das Meer hinaus blieb ständig an einer der vielen Ölbohrinseln vor der Küste hängen. Der riesige Energiebedarf dieses Landes war hier überall sichtbar.
Nach Long Beach wurde es wieder ruhiger und die Route führte uns zurück an die Küste, durch Sunset Beach und Newport Beach. Die Gegend wurde wieder luxuriöser. In Newport Beach gab es Wohnviertel in denen kleine Yachten wie Autos vor den Häusern entlang der Kanäle parkten.
Die Strecke weiter nach San Diego war wenig spektakulär. Kurios ist die Route durch das Marine Corp Camp Pendleton. Für uns führte an der Küste kein anderer Weg nach San Diego. Die parallel verlaufende Interstate 5 ist für Radfahrer gesperrt. Nach dem Vorzeigen der Pässe und beantworten diverser Fragen, durften wir die ca. 15 Kilometer durch Militärgebiet fahren. Vorbei an exerzierenden Soldaten, unter überfliegenden Hubschraubern hindurch und mit dem ständigen Donner von Geschützfeuer im Ohr.

24.10.2016 - San Diego

Die Ankunft in San Diego war im besten Sinne unspektakulär. Wir hatten uns in ein Motel in der Nähe des Flughafens einquartiert. Dort hinzukommen war völlig problemlos, kein Vergleich zu LA. Sommerliche Temperaturen von über 30°C und strahlend blauer Himmel. Die Stadt verbreitete sofort Urlaubsstimmung. Nach über 4000 Kilometern die hinter uns lagen, war dies ein schöner Wendepunkt unserer Reise entlang der Westküste der USA.
Wir hatten uns mehrere Tage aufgehalten und eine extra Portion Sommer genossen. Die Stadt ist immerhin die achtgrößte der USA, wirkt aber sehr entspannt und übersichtlich. Die Pazifikflotte der United States Navy hat hier ihr Hauptquartier. Im Museumshafen lässt sich unter anderem der 1945 gebaute Flugzeugträger USS Midway bestaunen, während weiter draußen die aktuellen Schiffe vor Anker liegen.
Beliebt ist der Balboa Park, der auch den San Diego Zoo beheimatet. Auf Coronado Island hat man einen tollen Ausblick auf die Skyline der Stadt. Dort befindet sich auch das Hotel Del Coronado, das durch den Film “Manche mögen’s heiß“ berühmt wurde. Das kleine Seaport Village am Bootshafen ist wundervoll touristisch, auf eine sehenswerte Art und Weise. Den Freizeitpark Seaworld kann man im Norden der Stadt besuchen, uns war das aber zu teuer.
Wir hatten in San Diego ein paar schöne, entspannte Tage. Unsere Beine dankten es uns.

01.11.2016 - Goodbye USA

Bis zu unserem Weiterflug nach Neuseeland hatten wir noch einige Tage Zeit, um wieder nach Los Angeles zurückzufahren. Deshalb waren die Tagesstrecken sehr entspannt. Von andern Reiseradlern, die uns aus südlicher Richtung entgegenkamen erfuhren wir, dass die Durchfahrt durch das Militärcamp für einige Tage gesperrt ist (siehe Los Angeles bis San Diego). Das hieß, ausweichen auf die achtspurige Interstate 5. Wer würde in Deutschland auf der Autobahn Radfahren?
In Los Angeles verbrachten wir die letzten Tage in den USA hauptsächlich mit den Vorbereitungen für den Flug nach Neuseeland. Frühjahrsputz sozusagen, denn November in Neuseeland ist Frühling. Der Großputz war nötig um die neuseeländischen Einreisebestimmungen zu erfüllen. Wir hatten keine Vorstellung was uns erwarten würde, aber wir hatten von anderen Reisenden gelesen und gehört, dass die Beamten wohl sehr pingelig seien und dreckige Fahrräder, Zelte oder Taschen nicht akzeptieren würden.
Glücklicherweise hatten wir genügend Zeit eingeplant um alles zu erledigen. Zum Beispiel Transportboxen aus Karton für die Fahrräder zu besorgen. Leider waren auf dem Flughafen keine Boxen erhältlich. Letztlich wurden wir bei REI fündig. REI ist in den USA das, was bei uns die Filialen von Globetrotter sind. Unser Hotelzimmer sah beim Verpacken der Räder aus wie eine Fahrradwerkstatt.
Wir fanden aber trotzdem Zeit um das Getty Center zu besuchen und über den Hollywood Boulevard zu laufen. Irgendwie fühlten wir uns dazu verpflichtet, wenigstens ein Minimum an Sightseeing zu absolvieren.
Unsere letzten Stunden in den USA verbrachten wir auf dem Flughafen von Los Angeles. Weil wir nicht wieder wie in Frankfurt zu spät sein wollten, dieses mal neun Stunden vorher. Also warten und die Nase an Kühltheken platt drücken, voll von Sandwiches zu 10 US-Dollar das Stück.
Kurz nach 00:00Uhr hoben wir dann mit einer einstündigen Verspätung ab, über den Pazifik Richtung Neuseeland…

Rückblick USA

Wir waren fast 10 Wochen in den USA unterwegs...

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